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Wie wird eine Verpackung hergestellt? (4)

Im Offsetdruck müssen noch die gewünschten Druckfarben beachtet werden.

Fotos und ähnliche Abbildungen werden im Vierfarbdruck erstellt. Damit die vielen Zwischentöne eines Fotos nicht alle gesondert gedruckt werden müssen, hat man ein Farbauszugsverfahren entwickelt, das sich auf vier Druckfarben reduziert. Das sind die Farben der Euro-Skala: cyan (C), magenta (M), gelb (Y) und schwarz (K). Diese Farben ergeben in subtraktiver Farbmischung und mithilfe von Bildrasterung in Rasterpunkte beim Zusammendruck die bunten Bilder, die wir überall gedruckt sehen. Wenn Ihr Grafiker also Druckdaten anlegt, sind diese immer in CMYK für den Vierfarbdruck. Die Farben RGB der additiven Farbmischung werden auf Ihrem Bildschirm und in der Digitalkamera verwendet. Für den Druck müssen diese in CMYK konvertiert werden und ändern dabei leicht ihre Farberscheinung.

Texte und Logos werden oft in Schmuckfarben oder Echtfarben gedruckt, die nicht aus CMYK aufgebaut sind. Viele Firmen haben für ihr Logo auch eine bestimmte „Hausfarbe“, die im Corporate Design festgelegt ist. Hier haben sich einige Farbskalen bewährt, die die Kommunikation zwischen Kunde und Drucker sehr erleichtern. Der Kunde gibt einen definierten Farbton anhand einer Farbnummer an und der Drucker weiß genau, wie er zu drucken hat, weil er eine gleichartige Farbkarte als Druckvorlage hat. International kommt gerne die Pantone® Farbskala, in Deutschland auch sehr oft die HKS® Farbskala zum Einsatz. Zu jedem Farbton gibt es eine Farbnummer für gestrichenes Papier (Kunstdruckpapier, coated) und ungestrichenes Papier (Naturpapier, uncoated), weil die Farbwirkung stark vom Bedruckstoff beeinflusst wird. Der Offsetkarton in unserem Verpackungsbeispiel ist einseitig gestrichen. Aus dem Pantonfächer müssten wir also eine Farbe mit der Endung C für „coated“ wählen. Aus dem HKS-Fächer müssten wir eine Farbe mit der Endung K für „Kunstdruck“ wählen. Im Gegensatz dazu steht U für „uncoated“ bzw. N für „Naturpapier“.

Wenn Sie Ihre Druckdatei als PDF zum Verpackungshersteller senden, tun Sie dies am besten zweifach: einmal die „nackten“ Druckdaten, einmal mit unterlegter Stanzzeichnung. Diese zeigt Ihrem Verpackungshersteller den genauen Stand der Grafik auf dem Verpackungszuschnitt an. Ein Freigabe-PDF, das Ihnen der Verpackungshersteller auf Wunsch zusendet, zeigt dann auch diese Kombination von Grafik und Stanzeichnung.

Wozu ist eine Freigabe-PDF notwendig? Ihre PDF muss konvertiert werden, d.h. die Daten müssen gerippt werden (in Druckraster umgesetzt werden) und ausgeschossen werden. “Ausschießen” ist ein altertümlicher Begriff aus der Buchdruckzeit. Gemeint ist damit, dass die Grafik an der richtigen Stelle auf der Druckform stehen muss, also dort, wo dann auch gestanzt wird. Zudem wird oft zu mehreren Nutzen gedruckt, d.h. die gleiche Grafik steht mehrfach auf dem Druckbogen, um das Druckformat optimal auszunutzen. Bei dieser ganzen Datenverarbeitung kann viel passieren, deshalb ist eine Freigabe-PDF zur beiderseitigen Absicherung empfehlenswert.
 

View: Vierfarbdruck (wikipedia)


Add comment Mai 8, 2008

Wie wird eine Verpackung hergestellt? (3)

An dieser Stelle muss über das richtige Druckverfahren nachgedacht werden. Zur Wahl stehen bei einer Wellpappeverpackung üblicherweise Flexodruck oder Offsetdruck.Da Flexodruckformen (sog. Klischees) recht kostspielig sind, sollte die Menge Ihrer Verpackung wenigsten 5.000 Stück sein. Soll ein zweifarbiger Flexodruck in der Größe einer A4-Seite gemacht werden, können die Klischeekosten ganz schnell 500 Euro ausmachen. Das sind fixe Kosten, die bei jeder Produktionsmenge gleich bleiben. Werden 1.000 Verpackungen gefertigt, ist allein der Anteil der Klischeekosten 0,50 Euro pro Stück, bei einer Menge von 5.000 Verpackungen nur noch 0,10 Euro pro Stück. Flexodruck eignet sich nicht für Fotos (gerasterte Abbildungen), sondern eher für Text und Strichabbildungen (z.B. für Logos). Wird inline gedruckt, also Drucken und Stanzen in einem Arbeitsgang, stehen meist nicht mehr als zwei Druckfarben zur Verfügung. Falls mehr Farben druckbar sind, passen diese nicht so scharf aufeinander wie beim Offsetdruck. Man geht von einer Passerdifferenz von ± 0,5 mm aus. Aus diesem Grund kommt Flexodruck meist auf einfachen Versandverpackungen oder Lagerverpackungen zum Einsatz.
Da die die Verpackung in diesem Beispiel auch als Verkaufsverpackung dienen soll, greifen wir auf den hochwertigeren Offsetdruck zurück.
Die Druckformkosten (hier sind es Druckplatten) sind vergleichsweise niedrig, die Druckqualität ist hinsichtlich Passergenauigkeit und Rasterfeinheit für Abbildungen sehr gut geeignet. Es gibt zwar – mit vielen Einschränkungen – den Wellpappe-Direktdruck im Offsetdruckverfahren. Gebräuchlicher ist der indirekte Weg: Zuerst wird eine Kartondecke bedruckt und lackiert. Diese wird anschließend auf offene Welle kaschiert. Erst dadurch entsteht die eigentliche Wellpappe.

Warum Lack? Lack gibt der Verpackung ein edles und hochwertiges Aussehen. Darum spricht man auch von einer Veredelung.
Der tiefere Grund für die Lackierung ist aber der Schutz, den sie bietet. Die Verpackung wird nach dem Druck durch die verschiedensten Maschinen transportiert: Kaschiermaschine, Stanzmaschine, Klebemaschine usw. Dabei kann das Druckbild abgescheuert werden, und Transportbänder können „Schleifspuren“ hinterlassen. Dies alles wird durch die Lackierung vermieden.
Sollte Ihnen die übliche Glanzlackierung nicht gefallen, so können Sie in Ihrer Anfrage auch Mattlackierung oder nur eine leicht Scheuerschutzlackierung angeben.


View: Druckspezifikationen für Verpackungsdruck
Druckverfahren - Teil 1
Druckverfahren - Teil 2


Add comment Mai 7, 2008

Wie wird eine Verpackung hergestellt? (2)

Bei unserem Beispiel wählen wir als Material E-Welle (d.h. Wellpappe mit 1,5-1,7 mm Stärke). Da das Material an den Seitenwänden jeweils dreifach liegt, ist die Außenlänge 9 mm länger als die Innenlänge (1,5 mm Wellpappestärke x 3 und dies auf beiden Seiten).
Diese Vergrößerung der Verpackungsaußenmaße gegenüber den Innenmaßen nennt man Materialzugabe. Die Materialzugabe muss an jeder Falzlinie berücksichtigt werden. Selbst der Profi muss anhand eines Vorabmusters ausprobieren, ob sich die Verpackung wie geplant aufrichten lässt und ob es nicht irgendwo klemmt. Sie als Verpackungskunde brauchen sich darum nicht zu kümmern, aber Sie sehen schon, dass auch in einer einfachen Verpackung Entwicklungsarbeit, kreative Leistung und der Einsatz teurer Maschinen steckt. Es ist deshalb nicht fair, wenn Sie das Handmuster, das Ihnen Ihr Verpackungshersteller vielleicht mit einigen kreativen Zusatzlösungen entwickelt hat, dazu verwenden, um damit eine großangelegte Anfrage zu streuen. Andere Anbieter können kostengünstiger produzieren, weil sie die Entwicklungsarbeit nicht leisten mussten. Ihr Hersteller, der die Gratis-Entwicklung gemacht hat, wird Ihnen dafür künftig sicher nicht mehr zur Verfügung stehen.
Soll Ihre Verpackung bedruckt werden, wie in unserem Beispiel, dann sind die Außenmaße natürlich wichtig, denn gedruckt wird außen. Der Ablauf ist so, dass Sie Ihre gewünschten Innenmaße anfragen, und im Fall einer Beauftragung erhalten Sie von Ihrem Verpackungshersteller eine Stanzkontur (Stanzzeichnung) mit den Außenkanten und Falzlinien. Damit Ihr Grafiker die Verpackungsgestaltung auf diese Zeichnung stellen kann, bekommen Sie diese in einem gebräuchlichen Datenformat – in der Regel als PDF. Da die Druckseite und die Stanzseite nicht immer identisch sind, wird auf Stanzzeichnung angegeben, welche Seite dargestellt ist. Bei unserer Wellpappeverpackung wird von außen gedruckt und von innen gestanzt. Hier ist dies also zu beachten.

Ihr Grafiker legt die Verpackungsgestaltung auf die Stanzzeichnung. Um zu kontrollieren, ob alle Texte richtig stehen, sollten Sie sich eine Kombination von Grafik und Stanzkontur ausdrucken lassen (zur Not auch verkleinert) und diese Verpackung zur Probe ausschneiden, falten und aufrichten. Es kommt oft vor, dass man erst jetzt bemerkt, dass durch die Aufrichtung Texte plötzlich auf dem Kopf stehen.


View: Verpackungsdruck (wikipedia)
Druckspezifikationen für Verpackungsdruck

 


Add comment Mai 5, 2008

Wie wird eine Verpackung hergestellt? (1)

Verpackungen sind so vielfältig wie das Leben. Sie dienen dem Schutz, der Präsentation, der Aufbewahrung usw. Entsprechend vielseitig sind die verwendeten Materialien: Papier, Karton und Wellpappe, Schaumstoff, Kunststofffolie, Holz, Weißblech und viele mehr.
Hier soll exemplarisch die Entstehung einer Kartonverpackung dargestellt werden. Am Anfang steht das Produkt und dessen Aufgabe. Angenommen, für ein Produkt soll eine Verpackung gefunden werden, die sich sowohl als Verkaufsverpackung im Laden wie auch als Versandverpackung eignen soll. Das Material der Wahl ist hier Wellpappe. Diese bietet hervorragenden Schutz durch ihre polsternde Wirkung, und sie ist in Offsetqualität bedruckbar.

Nun beginnt die Verpackungsentwicklung. Die Musterabteilung ihres Verpackungsherstellers benötigt das zu verpackende Produkt und baut darum ein Handmuster (Weißmuster) der Verpackung. Der Verpackungsentwickler erstellt mit Hilfe eines CAD-Programms eine Konstruktionszeichnung, mit der er dann eine Musterverpackung auf einem Schneidplotter erzeugen kann. Er greift zunächst gerne auf die Verpackungsgrundtypen der FEFCO-Norm zurück, die er dann individuell für Ihr Produkt und die gestellte Aufgabe abwandelt. Bei einer Anfrage können Sie von vornherein einen solchen FEFCO-Typ vorgeben. In unserem Beispiel wählen wir eine Schachtel mit anhängendem Deckel und gekrempelten Seitenwänden – FEFCO Typ 0427.


Bitte beachten Sie bei einer Verpackungsanfrage einige Regeln, damit Sie verstanden werden und Sie das Richtige bekommen!


Verpackungsmaße werden immer in Millimeter angegeben. Wenn nicht anders bezeichnet, sind Verpackungsmaße immer Innenmaße; das Außenmaß ergibt sich dann aufgrund des Verpackungstyps und aufgrund des Materials.
Wie werden Verpackungsmaße fachmännisch angegeben? L ist die längere Seite der Verpackungsöffnung, B ist die kürzere Seite und H ist die Füllhöhe der Verpackung. Bitte geben Sie Verpackungsmaße immer in dieser Reihenfolge an: L x B x H! Jeder Verpackungshersteller wird Sie dann verstehen.

View: FEFCO - The Information Portal of the European Corrugated Board Industry
Die wichtigsten Verpackungsbauformen (FEFCO Typen)


Add comment Mai 2, 2008


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